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Irrtümer in der Modellbahn-Welt

Immer wieder höre ich Aussagen, die mich erschaudern lassen. Jetzt möchte ich ein paar Punkte klarstellen, die oft und immer wieder falsch behauptet werden.

Modellbahn-Loks brauchen vorne weißes Licht, hinten Rotes Licht
Für einen Booster gilt: je mehr Ampere, desto besser
Ich brauche keine Lastregelung, weil ich keine Steigung habe
Je mehr Fahrstufen, desto besser
Lokdekoder: je mehr Parameter, desto besser

 

Irrtum 1: Modellbahn-Loks brauchen vorne weißes Licht, hinten Rotes Licht

Vorne Weiß, hinten Rot: So stellt man sich als Laie ja die optimale Lokbeleuchtung vor, denn so kennt man es ja vom Auto. Der Fachmann hingegen weiß: nicht die Lok, sondern der Zug muss hinten Rot beleuchtet sein. Das heisst: die Lok (an der Zugspitze) hat vorne Weiß und hinten Nix. Fährt die Lok am Zugende (Wendezug), dann ist die Lok vorne dunkel und hinten Rot. Im Rangierbetrieb ist die Lok in der Regel beidseitig Weiß beleuchtet.
Leider kann man diese Beleuchtungssituationen mit den im Handel erhältlichen Loks nicht nachspielen, denn dort gibt es wunderbaren Lichtwechsel Weiß-Rot im Angebot. Die einzige Situation, in der diese Beleuchtung stimmt: die Lok ist ohne Zug auf der Strecke. Aber wohin dann mit den ganzen Waggons????

Irrtum 2: Für einen Booster gilt: je mehr Ampere, desto besser

Richtig ist vielmehr: je mehr Ampere, desto teurer (denn es werden teurere Komponenten benötigt). Aber der Ausgangsstrom sollte schon zur Anlage und zu verwendeten Baugrösse passen. Wer einen zu kräftigen Booster einsetzt, der erlebt bei einem Kurzschluss einen kleinen Funkenregen. Der Booster soll ja bei einem Kurzschluss abschalten. Ist die Schaltschwelle zu hoch, kann nun mal dieser Abschalt-Strom auch fliessen, und sei es durch eine Waggon-Achse. Teilweise schmelzen diese dann einfach zu einem Klumpen zusammen. Besonders gefährdet sind die kleinen Schleifer-Kontakte bei 2-Schienen Bahnen.
Also muss man Abwägen: Baugrösse, Anzahl der zu fahrenden Züge in einem Abschnitt sollten den Ausgangsstrom bestimmen. Optimal ist es, wenn die Ausgangsspannung einstellbar ist.

Irrtum 3: Ich brauche keine Lastregelung, weil ich keine Steigung habe

Eine Lastregelung im Lokdekoder ist nicht nur dazu gut, die Geschwindigkeit bei Berg- und Talfahrt konstant zu halten. Insbesondere zeigt sie ihre Vorteile jedoch bei Langsamfahrt. Hier kann Soll- und Ist-Geschwindigkeit verglichen und entsprechend nachgeregelt werden.
Wer einmal Lokdekoder mit (brauchbarer) Lastregelung kennen gelernt hat, der will keine Dekoder ohne dieses Feature haben. Ich würde fast sagen: es ist kein Feature, sondern eine Grundlage für einen brauchbaren Lokdekoder.

Irrtum 4: Je mehr Fahrstufen, desto besser

Ein typische Beispiel für die sinnlose Forderung nach "mehr" ist die Realisierung von 128 Fahrstufen für Lokdekoder und / oder Zentralen. 128 Fahrstufen in einer Zentrale bedeuten: man kann eine Lok in eben zwischen diesen 128 Geschwindigkeiten auswählen. Also bei einer E03 mit vorbildlichen 200 km/h Höchstgeschwindigkeit bedeutet dies eine Einstell-Genauigkeit von 1.56 km/h (bei einer Köf mit 30 km/h sogar 0.17 km/h!). Dies ist absolut unnötig, denn beim Vorbild wird die Geschwindigkeit in 10 km/h-Schritten (über entsprechende Schilder) "eingestellt", d.h. eine E03 fährt entweder 90 km/h, oder 100 km/h, oder 110 km/h usw., es genügen also in diesem Beispiel 20 Fahrstufen.
Nun denkt sich aber der Laie: wenn ich nur 20 Fahrstufen hätte, dann gibt es ja immer einen Geschwindigkeitssprung beim Beschleunigen. Falsch gedacht, denn intern arbeiten Dekoder mit wesentlich mehr stufen. Im Klartext: ich möchte der Lok befehlen, sie soll doch bitte von 60 auf 80 km/h beschleunigen (in Falle der E03 mit den 20 Fahrstufen wären das also 2 Fahrstufen). Jetzt kommt Silizium-Intelligenz ins Spiel: der Dekoder erhöht die Geschwindigkeit in einer feinen Auflösung mit der eingestellten Anfahrverzögerung. Das Resultat: der Lokführer wählt die Geschwindigkeit in vernünftiger Auflösung (z.B. 10 km/h Schrittweite) und der Lokdekoder macht dann den Rest (er simuliert die Trägheit eines Zuges). Bedingung hierfür ist allerdings ein Lokdekoder mit Anfahr- und Bremsverzögerung, die aber in allen aktuellen und brauchbaren Lokdekodern mit Lastregelung zu finden ist.
Wer übrigens 128 Fahrstufen verwendet, der muss eine ganze Menge Umdrehungen an seinem Fahrregler machen, bis ein ICE in Fahrt ist. Kluge Zentralen verwenden daher eine dynamische Loksteuerung. Hier werden bei schneller Umdrehung des Fahrreglers einfach ein paar Stufen übersprungen, damit man such eben nicht wunde Finger drehen muss. Jetzt frage ich mich aber: warum brauche ich viele Fahrstufen, wenn diese für die Praxistauglichkeit sowieso übersprungen werden müssen?? Ganz einfach: weil 128 besser klingt als 28....

Irrtum 5: Lokdekoder: je mehr Parameter, desto besser

Na ja. Hier kann man geteilter Meinung sein, hier ist die meinige: In der heutigen PC-Welt sehe ich eine starke Tendenz, das der Kunde = Laie eine menge Parameter an seinen Produkten selber einstellen kann bzw. muss. Mit anderen Worten: er muss das Produkt konfigurieren, so dass es seinen Ansprüchen genügt.
Leider wird dies meistens nicht gemacht, weil zum einen der technische Hintergrund fehlt, zum anderen die Zeit, sich mit der Sache zu beschäftigen. Das bedeutet: der Kunde verwendet das Produkt wie er es gekauft hat. Es bleibt der fahle Nachgeschmack zurück, dass man nicht das optimale auf dem gekauftem Teil herausgeholt hat ("das mache ich irgendwann auch noch mal").
Ein Beispiel: Ein Fernseher hat(te) 3 Parameter zum Einstellen. Lautstärke, Kontrast und Helligkeit. Lautstärke versteht jeder (sonst muss er eben lauter drehen), Helligkeit und Kontrast waren für mich als Kind immer irgendwie das selbe und da wurde besser nicht dran gedreht.
Kauft man sich heute einen Monitor, so kann man einstellen: Bilddrehung, Gamma-Korrekturen, Moirre-Beseitigungen, Farben usw. Ich gebe zu: ich habe mich damit mal beschäftigt und innerhalb von nur 2 Tagen alle Parameter eingestellt. Aber ich würde schätzen, das 96% der Monitore in der Verkaufts-Einstellung laufen.
Also sind die vielen Parameter für die meisten Anwender nutzlos und eher eine Belastung.
Daher versuche ich zu realisieren, das man möglichst wenig Parameter in meinen Dekodern einstellen kann bzw. muss.